Erica Arnold am Eurovision Song Contest ?!? So hat alles angefangen…

Während dem Kochen läuft bei mir in der Küche entweder der Radio oder der Fernseher. Was höre ich da? Der Ansager sagt: "Interessierte Musiker können noch bis am Montag, 26. Oktober 2015 bis um 08.00h ihren Song uploaden wenn sie am Eurovision Song Contest teilnehmen möchten"…..!!!

 

Da habe ich natürlich meine Ohren gespitzt, mich kurz darauf ins Internet gestürzt und mal geschaut wie das so läuft mit all den Regeln, Anforderungen, Begrenzungen, Vorschriften, Gebote, Verbote usw.

 

Aber….Moment, der 26. Oktober 2015 ist ja bereits in 8 !!!! Tagen! Uiiii….! Doch da war doch noch was….?!?! Irgendwo im Büro liegt doch noch dieser Text den mir da irgend so ein Typ in einer Kneipe am Titisee diesen späten Sommer einfach so in die Hände gedrückt hat. Ungefragt.  Mal sehen ob ich den noch irgendwo finde…..

 

Und so kam es: "Ich bin ich"

Im Spätsommer 2015 habe ich eine Reise in den Schwarzwald an den Titisee unternommen. Nach einem feinen Nachtessen in einem Restaurant sind wir nachher noch in eine Kneipe gegangen mit dem Namen „Schwarzbrennerei“. Ein kleines Lokal mit einer Bar, ein paar wenigen Tischen und noch genau einem kleinen bisschen Platz am runden Stammtisch neben der Bar. Nachdem der „Absacker“ bestellt war habe ich gesehen wie mein junger Tischnachbar,  Simon Hontheim hiess er, eine Frau mit Bleistift gezeichnet hat auf ein Stück Papier. Wauw, dachte ich...sieht super aus. Wenn man mich kennt kann man sich vorstellen, dass es nicht lange gedauert hat bis ich mit ihm ins Gespräch gekommen bin und er offerierte mir kurz darauf, auch mich zu porträtieren. Knapp 30min später hat er mit seinem „Kunstwerk an mir“ angefangen.

 

Während er so zeichnete hat er mich immer ganz genau angeschaut, dann wieder ein paar Striche aufs Blatt, wieder schauen usw. Zwischendurch hat er dann mit seinem Bruder Michael Hontheim, der zusammen mit seinem Kollegen Thorsten oben an der Bar gesessen ist, öfters Rücksprache gehalten.

 

Plötzlich kommt Michael von der Bar runter an unseren Tisch und drückt mir  ungefragt ein Stück Papier, mit einem von ihm geschriebenen Gedicht,  in die Hand. Ich habe es dankend angenommen aber dann nicht weiter beachtet. Zurück in Menziken dachte ich, ich könnte mal den Text lesen....und war begeistert von den Zeilen die hier so tolle Worte verlauten liessen. Sofort wusste ich, dass ich dazu mal einen Song komponieren sollte. Kurz darauf sah ich im SRF Fernsehen einen Trailer mit dem Aufruf, man möchte doch Songs eingeben für den Eurovision Song Contest. Das ist es!!! Das mach ich!!

 

Am Samstag, 17. Oktober habe ich mich dann daran gewagt mich mit dem Song genau zu beschäftigen.  Als 1. tes musste ich einige Zeilen ändern von Michael, denn die waren definitiv nicht Eurovision tauglich. Auch nicht für eine CD, Liveaufführung usw. Also habe ich mich mal ran gemacht, den Text abzuändern, zu ergänzen und passend zu einem Ganzen zusammen zu fügen, was mir dann zum Glück recht gut gelungen ist. Auch mit dem Reimen. Doch nun kommt der schwierige Teil. Normalerweise, wenn man das so sagen kann, entsteht zuerst eine Melodie und dann der Text dazu. Ich wurde so richtig herausgefordert. Was soll es werden? Eine Ballade? Blues? Folk? Country? Schlager? Rock? Pop? Na ja, mit DEM Text muss es was im Rock/Heavy Bereich sein. Aber wollen das die Leute  bei der Eurovision hören? So viele verschiedene Kulturen, so viele JUNGE MENSCHEN…! Da muss noch was rein. Etwas, das ich noch nie gemacht habe. Ich versuche mal, die 1. Strophe zu rappen. Und es funktionierte. 2. Strophe dann ein bisschen "Status Quo"-mässig steigern und dann der Refrain im Höhepunkt – Heavy Metal Riffs. Der Song war geboren. Aber jetzt kommt der 2. Teil….die Umsetzung vom Papier zur Musik.

Da müssen Musikerkollegen her. Einer der so richtig toll Gitarre spielen kann. Stefan Häfliger, genannt "Hef" aus Sursee. Der hatte schon diverse Songs auf meiner CD mit seiner Rockgitarre gespielt. Das ist "mein Mann". Also habe ich ihn gleich angerufen und gefragt ob er was für mich aufnehmen könnte. Das würde er gerne machen wenn er Zeit hätte, aber leider ist er extrem im Stress da er in Vorbereitung zur Tournee mit MAXWELL ist im November und vorher noch alle seine Gitarrenschüler "vorholen" muss. Als ich ihm dann aber erklärte dass der Song für die Eurovision ist, konnte ich ihn überreden. "Ok, Erica, ich mache das für Dich. Weil ich Dich sehr gut mag und weil ich schon lange mal was für Eurovision machen wollte." Huiiii. Glück gehabt Erica. Wenn ich Hef an Board habe kommt es gut.

Jetzt musste aber noch jemand gefunden werden der mich, meine Stimme, aufnimmt. Zum grossen Glück kenne ich viele nette, gute Musikerkollegen und so konnte ich auch Andreas Sprenger aus Schötz "Ray", mit dem ich hin und wieder mal Musik gemacht habe, ganz spontan für mich gewinnen. Er war bereit, trotz seinem Job,  Abends zu mir nach Menziken  zu kommen um mich aufzunehmen, mich zu mischen und alles zu einem kompakten Song zusammen zu fügen.

 

Dann noch das Video. Noch nie sowas gemacht. Ok, dazu fehlt ja sowieso die Zeit. Also fragte ich Dani Schüpfer, genannt "Schliffer" aus Reinach, ob er bitte in 2 Tagen meine Musik, die mittlerweile als "Rohbau" vorlag mit meinen von mir gelieferten Fotos und Text, in ein Video verpacken kann. Auch er hatte eigentlich keine Zeit. Aber, er fand den Song, die Sache und mich gut und hat dann halt ein paar Projekte im Computer Support zurück gesteckt, zugunsten von mir.

 

Am Montag morgen, 26. Oktober um 08.00h war Schluss mit Songs raufladen auf die Plattform von SRF. Wir waren sooooo knapp dran. Um 07.30h war endlich das Video soweit fertig, dass es einigermassen im Takt Bilder und Ton wechselte. Dann musste noch alles im richtigen Format sein und um 07.30h haben wir angefangen mit uploaden. Jetzt darf einfach nichts mehr passieren. Kein Fehler, kein Absturz von unserer Seite oder seitens der SRF. Der 1. Versuch….fehlgeschlagen. Mir klopft der Puls bis in die Schläfe und es kribbelt.....Mann bin ich nervös. Nervöser als vor einem Auftritt. Dann der  2. Versuch…..geschafft. Yuppiee…!!!

 

Das Lied ist nicht perfekt gesungen/gerappt….man könnte noch, man sollte doch, das wäre auch noch eine Idee gewesen, das könnte ich besser singen und ich werde daran noch hart arbeiten müssen…aber momentan ist es so. Wir haben das bestmögliche in der kurzen Zeit gegeben und er Song "Ich bin ich2 war innert 8 Tagen geboren.

 

Sollte ich nicht ins Finale kommen hat es doch Spass gemacht. Nicht nur wegen der Arbeit, sondern auch festzustellen, dass im Notfall Menschen für einen da sind und wenn es irgendwie geht, sie auch zurück stecken zu Gunsten von anderen. In diesem Falle zugunsten von mir. Danke an Hef, Ray, Schliffer und Michael Hontheim.

 

Oktober 2015, Erica Arnold